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Im Portrait - "Uns Paster" Pastor Volker Harms hat sich (nicht ganz) von der Kirchengemeinde verabschiedet
(pg) Immer Frohgemut, mit einem Lächeln auf den Lippen, herzlichen Worten, Geduld, Hoffnung, Zuversicht und Trost im Gepäck, so kennt man Pastor Volker Harms seit seiner Amtseinführung in 1995. Man vertraute sich ihm aus vielerlei Gründen an, denn man wusste, er nahm die Menschen ernst, versuchte Lösungen zu finden und stand ihnen in guten wie in schlechten Tagen zur Seite. Pastor Harms feierte Gottesdienste, hielt Andachten, taufte, konfirmierte, traute, beerdigte, führte Gesprächsrunden, machte Hausbesuche, war bei etlichen Veranstaltungen in Nah und Fern dabei. Er war offen für alles, machte manchen Spaß mit, so z. B. bei Filmaufnahme für Krimis, die das Fernsehen in Lütjenburg drehte. Alles aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Kurz gesagt: Er war da, wo man ihn brauchte.
Redaktion BiWa:
Wo sind Sie aufgewachsen?
Pastor Volker Harms:
Geboren wurde ich in Hamburg, wir lebten in Sülldorf und Rissen. Das waren damals zwei sehr ländlich oder dörflich geprägte Vororte. Das umgebende Grün zog sich in die Orte hinein. Ich bin also alles andere, als ein Großstadtkind. So oft das Wetter es zuließ, spielten wir draußen. Wir kletterten in den Knicks oder kickten auf der Wiese, wir fuhren mit dem Fahrrad umher oder machten in der alten Kiesgrube ein Feuer. Kurzum, das Leben im Grünen haben wir mit Freude gelebt. Ich halte es für ein großes Geschenk, so aufwachsen zu dürfen. Solch ein Leben weckt im Herzen eine tiefe Zufriedenheit. Und solche Zufriedenheit ist für alle zukünftigen Schritte im Leben hilfreich und ermutigend.
Redaktion BiWa:
Wie verliefen Kindheit und Jugendzeit?
Pastor Volker Harms:
Gerne denke ich an meine Kindheit und Jugendzeit zurück. Insgesamt verlief diese Zeit für mich normal und unspektakulär. Meine Mutter war zu Hause, sie empfing meine Schwester und mich jeden Tag mit einem Mittagessen. Am Nachmittag traf ich mich mit Freunden oder beschäftigte mich alleine. Mein Vater fuhr jeden Tag zur Arbeit in die Hamburger City. Und jedes Jahr freuten wir uns auf den Sommerurlaub auf Bornholm. Das Leben verlief in Kontinuität und klar geprägten Rhythmen. Und so schwammen wir recht zufrieden durch die Jahre.
Redaktion BiWa:
Was gab den Anlass, sich mit Theologie zu beschäftigen?
Pastor Volker Harms:
Es fällt mir schwer, eine kurze, einfache Antwort auf diese Frage zu geben. Erst nach dem Abschluss der Schule kam ich auf den Gedanken, Theologie zu studieren und den Beruf des Pastors anzustreben. Wenn ich nun nach Wegen suche, die mich zur Theologie geführt haben, dann schaue ich auf die eine oder andere Spur, die mich zu einem Beruf in der Kirche geführt hat.
Meine Eltern waren keine großen Kirchgänger. Und religiöse Formen wurden bei uns nicht in besonderer Weise gepflegt. Aber Achtung und Respekt vor Gott, vor Glauben und Kirche wurde uns von unseren Eltern sehr deutlich vorgelebt und nahegebracht. Als ich später diesen Weg einschlug, haben meine Eltern dies mit Aufgeschlossenheit und Achtung begleitet.
Recht früh in der Kindheit begegneten mir Erlebnisse und Gedanken, die mich die Tiefe im Leben spüren ließen. Meine Großeltern lebten in Ottensen. Sie wohnten noch immer in der Wohnung, in der mein Vater bereits als Kind aufgewachsen war. Etwa alle 3 Wochen kamen meine Großeltern bei uns zum Besuch. Und oft berichtete meine Großmutter meinem Vater von den Menschen aus der weiteren Verwandtschaft und aus der Nachbarschaft. Aber bei ihren Erzählungen konnte es nicht ausbleiben, dass sie des Öfteren auch von Menschen berichtete, die verstorben waren. Das erzählte sie dann mit einer gewissen Selbstverständlichkeit. In unserer Familie ging das Wort um: Oma kommt immer mit den frischen Toten. Als Kinder haben wir diese Berichte aufgenommen, und damit ein fast selbstverständliches Verhältnis dazu bekommen, dass unser Leben vergänglich ist. Auf geradezu natürliche Weise wurden meine Schwester und ich mit der Tatsache der Endlichkeit unseres Lebens konfrontiert. Aber gleichzeitig erfassten wir diesen schweren Gedanken auch mit einer hilfreichen Leichtigkeit, indem wir sagten: Oma kommt mit den frischen Toten.
Redaktion BiWa:
Hatten Sie weitere Erfahrungen, die Ihnen die Grenzen menschlichen Lebens nahegebracht wir haben?
Pastor Volker Harms:
1962 wurde ich geboren, das waren gerade mal 17 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Noch als Jugendlicher habe ich diese Frist für eine kleine Ewigkeit gehalten. Aber tatsächlich war es für solche einschneidenden Erfahrungen eine kurze Zeit.
So haben wir als Kinder von den Erfahrungen aus dem Zweiten Weltkrieg durch unsere Eltern und Großeltern erfahren. Am schwersten wogen wohl die Erinnerungen meiner Großmutter. Ihr Sohn, der Bruder meines Vaters war mit 18 Jahren südlich von Pskow gefallen. Dieses Ereignis kann eine Mutter nicht vergessen.
Und auch die Erinnerungen an die Zeit der materiellen Not wurden uns Kindern erzählt. Im Flur meines Elternhauses hing in einem kleinen Bilderrahmen eine „Bezugsmarke über ein Paar Schnürsenkel“. Diese Marke war ein Zeichen der Erinnerung. Sie trug in sich die Mahnung, dass unser Leben nicht ohne Schwierigkeiten verläuft. Auch Kargheit und Not können in unserer Leben treten.
Diese Erinnerungen haben wir als Kinder gehört. Und so haben wir ganz selbstverständlich die Tiefe menschlicher Erfahrungen kennengelernt. Vielleicht hat das auch gewisse Ängste bei mir im Herzen ausgelöst. Aber ich denke dennoch, es war kein Fehler, schon als Kind von solchen schweren Dingen zu hören. Denn gleichzeitig erfuhren wir die Geborgenheit in unserer Familie. Und in kindlichen Gebeten konnten wir mögliche Ängste und Sorgen Gott anvertrauen. Wir haben etwas über die Tiefe des Lebens erfahren, aber wir wussten uns auch alle Zeit gut behütet. Möglicherweise haben mir diese Erfahrungen und die damit verbundenen Fragen den Weg zum Glauben und zur Theologie geöffnet.
Redaktion BiWa:
Welche Wege führten sie in das Leben der Kirche?
Pastor Volker Harms:
In der Schule, im Religionsunterricht fand ich die biblischen Geschichten spannend und anziehend. Später, im Alter von 13 Jahren stand der Konfirmandenunterricht an. Die Konfirmation war damals der normale und selbstverständliche Weg. Im Unterricht hat mich mein Pastor beeindruckt. Er konnte uns ernste und schwere Gedanken sehr gut vermitteln; aber genauso konnte er auch über so manchen Blödsinn gut lachen. Wir gingen gerne zum wöchentlichen Unterricht.
Nach unserer Konfirmation baute unser Pastor einen Posaunenchor auf. Das war ein glücklicher Zufall. Einige Freunde und ich stiegen in diesen Chor ein. Wir bekamen Unterricht. Ich erlernte die Posaune. Durch das Musizieren im Posaunenchor blieb ich nach der Konfirmation der Kirche verbunden und wuchs in der Folgezeit ganz selbstverständlich tiefer in das kirchliche Leben hinein. Bei vielen Veranstaltungen wirkten wir mit: Gottesdienste, Konzerte, Andachten zum Volkstrauertag, Weihnachtsbasar, Kirchentage.
Redaktion BiWa?
Damit dürfte dann ja auch der Weg zur Theologie und zum Beruf Pastor klar gewesen sein?
Pastor Volker Harms:
Nein, ganz so schnell ging es nicht. Denn die Idee, den Beruf des Pastors zu ergreifen, lag mir damals fern. Die sprachlich orientierten Fächer in der Schule waren damals nicht meine große Freude. Das Erlernen der Vokabeln erschien mir doch recht mühselig. Meine Stärken lagen in der Mathematik und in den Naturwissenschaften. Schon früh hatte mein Vater in mir eine große Neugierde geweckt. D.h., ich wollte immer wissen, wie alle technischen Geräte funktionieren. Aber auch die Abläufe in der Physik und in der Chemie wollte ich durchschauen. So hatte ich insbesondere während der Oberstufe einen großen Schwerpunkt in den Naturwissenschaften.
Doch während der Zeit meiner letzten Schuljahre hatten wir uns in der Kirchengemeinde zu einem Gesprächskreis von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zusammengefunden. Unter Anleitung eines Pastors, später eines engagierten Religionslehrers haben wir biblische Texte gelesen. Später haben wir auch zentrale Themen in den Blick genommen. Intensiv haben wir uns mit der Frage beschäftigt, wie Glaube und moderne Naturwissenschaften zusammenpassen. Gerade dieser Kreis hat bei mir die Neugierde am theologischen Denken sehr gefördert.
Redaktion BiWa:
Warum haben Sie sich für den Beruf des Pastors entschieden?
Pastor Volker Harms:
Jene Zeit - es waren die frühen achtziger Jahre - sehe ich als eine schwierige, belastende Zeit. Damals schraubte sich die atomare Hochrüstung einem mehrfachen Overkill entgegen. Und da war niemand in Sicht, der dieser bösen Spirale ein Ende bereitet hätte. Glücklicherweise kam wenig später Michail Gorbatschow in der UdSSR an die Macht und konnte sein Programm von Glasnost und Perestroika umsetzen. Aber bis dahin empfanden wir deutlich die Ohnmacht der Menschheit, diese schlimme Entwicklung aufzuhalten. Eine ähnliche Unfähigkeit des Menschen, in der Politik das Notwendige und Gute zu tun, zeigte sich auch im Umweltschutz. Das Waldsterben und auch der Klimawandel zeichneten sich bereits damals ab. Heute sehen wir beim Klimawandel deutlich, dass vier Jahrzehnte viel zu wenig getan wurde, um das Ruder herum zu reißen. Und auch das Gefälle im Wohlstand zwischen Nord und Süd trat damals immer deutlicher zutage.
Vor diesem Hintergrund der Unfähigkeit des Menschen, das Notwendige zu tun, haben wir uns im Freundeskreis zunehmend der kirchlichen Verkündigung zugewandt. Den Pastoren unserer Kirchengemeinde lag es in ihren Predigten in besonderer Weise am Herzen, die unerschütterliche Liebe Gottes zu uns Menschen zu verkünden. Gott hält an uns fest, auch wenn wir Menschen versagen, und der Mensch zum Wolf des Menschen wird.
So stifteten die Pastoren Mut und Zuversicht auf der Basis der christlichen Botschaft. Nicht die Scham im Angesicht des menschlichen Versagens sollte uns in den Herzen leiten, sondern der Mut und die Zuversicht, trotz allem Gottes geliebte Geschöpfe zu sein.
In jener Zeit wuchs bei mir auch die Überzeugung, dass Angst und Verzagtheit schlechte Berater im Leben sind. Wenn wir Menschen etwas Gutes schaffen wollen, dann brauchen wir Mut und Zuversicht. Das gilt im kleinen, persönlichen genauso wie im großen, politischen Bereich.
Vor diesem Hintergrund wuchsen in mir die Bereitschaft und die Freude, den christlichen Glauben weiter zu sagen. Und ich wollte dabei mitwirken, dass Menschen sich durch die christliche Hoffnung ansprechen lassen. Und so wuchs in mir dann auch der Wille, den Beruf des Pastors anzustreben.
Redaktion BiWa:
Wie verliefen Schule/Studium/Ausbildungen?
Pastor Volker Harms:
Nach dem Abschluss des Zivildienstes habe ich das Theologiestudium in Hamburg begonnen. Danach wechselte ich nach Münster. Zum Examen kam ich dann zurück in eine in Nordelbien gelegene Uni, nach Kiel. Und bald nach dem Examen konnte ich die praktische Ausbildung, das Vikariat in Büdelsdorf beginnen.
Im Sommer 1989 war ich übrigens bei einem Einsatz für Kirche am Urlaubsort hier in unserer Gegend aktiv. Fünf Wochen lang führten wir im Ferienzentrum Holm mit einem Team aus 2 Theologie-Studenten und 3 Studentinnen der Sozialpädagogik ein Freizeitprogramm für Urlauber durch. Damals war aber in keiner Weise absehbar, dass ich sechs Jahre später in Lütjenburg meinen Dienst antreten werde.
Redaktion BiWa:
Wie kann man die Menschen heute für das Christentum begeistern?
Pastor Volker Harms:
Wir dürfen nicht auf hohe Mitgliederzahlen zielen. Die sind vorerst Vergangenheit. Die Kirche wird zu einer Minderheit werden. Das Denken von uns Menschen hat sich nicht zuletzt infolge der Digitalisierung grundlegend verändert. Konzentration und innere Versenkung gehen in Deutschland, wohl überhaupt in Westeuropa stark zurück. Diese Geisteshaltungen sind aber der Boden, auf dem die Religion und Glaube gedeihen. Ganz gewiss wird es auch weiterhin Menschen geben, die eine innere Einkehr suchen und nach Gott fragen. Die sollen wir sammeln und mit ihnen weiterhin den Glauben leben.
Redaktion BiWa:
Was muss sich allgemein ändern, damit sich Menschen wieder mehr für Kircharbeit interessieren bzw. engagieren/einbringen?
Pastor Volker Harms:
Vor einiger Zeit hatte ich mit einem Pastor aus der ehemaligen DDR gesprochen. Er erzählte über die Gemeindearbeit in Mecklenburg-Vorpommern, die sich grundlegend verändert hat. Arbeit mit geistlichen Inhalten kommt in den Gemeinden nur noch wenig vor. Die Kirchengemeinden sind nun Orte, in denen Menschen gesellig zusammenkommen können. Und wenn sich dabei ein geistliches Gespräch ergibt, so ist es gut. Aber wenn sich die christlichen Themen nicht ergeben, war es dennoch ein schönes Zusammensein.
Möglicherweise ist das der Weg, den die Kirche gehen muss. Ich vermute, dass die dramatische Entkirchlichung in den neuen Bundesländern der Entwicklung bei uns vorangegangen ist. Daher sollten wir uns die aktuellen Konzepte der Gemeindearbeit in den neuen Bundesländern genauer anschauen.
Wo ist nur die Zeit geblieben? Am 16. März dieses Jahres wird „UNS PASTER“ nach fast 30 Jahren aus seinem Herzensdienst verabschiedet. Wir möchten in den nächsten Ausgaben ein wenig aus dem Leben des Volker Harms erzählen.
Redaktion BiWa:
Wie kam es, dass Sie Pastor in Lütjenburg wurden?
Pastor Volker Harms:
Im Herbst 1994 habe ich das Vikariat abgeschlossen. Damals hatte das Kirchenamt mich für eine Stelle in Preetz vorgesehen. Einer der Pastoren absolvierte eine halbjährige Fortbildung. Dazu sollte er für diese sechs Monate aus der gemeindlichen Arbeit aussteigen. So kam ich im Dezember 1994 nach Preetz, und damit auch schon in unseren Kirchenkreis. Also begegnete ich den damaligen Lütjenburger Pastoren (P. Knoke, P. Bruns und P. Bleibom). In jener Zeit stand für Pastor Knoke der Übergang in den Ruhestand bevor. Und so sprachen mich die Lütjenburger Pastoren auf die Stelle in Lütjenburg an. Nach der Vorstellung im Kirchenvorstand bat dieses Gremium um eine Zuweisung nach Lütjenburg. Dieser Wunsch wurde von Propst Sontag begrüßt und unterstützt. Nachdem meine Stelle in Preetz im Juni ausgelaufen war, versah ich für vier Monate noch Vertretungsdienste in den Kirchengemeinden Giekau, Preetz (nord), Selent und Laboe.
Redaktion BiWa:
Wie haben Sie die Zeit in Lütjenburg empfunden?
Pastor Volker Harms:
Am 1. November und 1995 trat ich meinen Dienst hier in Lütjenburg an. Damals habe ich mich sehr gefreut, endlich dauerhaft in einer Gemeinde angekommen zu sein. Und mein großer Wunsch, in eine kleinstädtische, beinahe dörflich geprägte Gemeinde zu kommen, hatte sich erfüllt.
Das Schöne ist, dass die Menschen hier in unserer Stadt, in unserer Kirchengemeinde einander kennen. So nehmen sie auch Anteil aneinander. Das bedeutet, dass im täglichen Miteinander ein schönes Klima das Leben bestimmt. Die gegenseitige Anteilnahme bedeutete damals auch, dass Trauerfeiern noch von vielen Menschen sehr deutlich wahrgenommen wurden.
Und die Menschen in Lütjenburg sind durch Organisationen und Verbände gut miteinander verbunden. So kennen sich viele. Und wenn es um Verwaltungsfragen geht, gibt es auch immer die kurzen Wege, auf denen die Dinge schnell und unkompliziert zu besprechen sind. Das prägt wirklich den Charme unserer Stadt.
Redaktion BiWa:
Was sind Ihre schönsten Erinnerungen?
Pastor Volker Harms:
Im Jahr 2006 haben wir das 850-jährige Jubiläum unserer Kirchengemeinde über mehrere Wochen gefeiert. Besondere Gottesdienste, ein Festtag rund um die Kirche, ein Besuch des Bischofs, Veranstaltungen für Kinder, geschichtliche Vorträge, Fotoausstellungen, Bilderausstellungen, Konzerte und andere musikalische Veranstaltungen haben ein buntes, vielfältiges Programm ergeben. Wir waren damals personell sehr gut aufgestellt, sodass wir diese Arbeit bewältigen konnten. Und viele ehrenamtliche Mitwirkende konnten wir gewinnen. So ist diese Feier noch in einer guten Erinnerung.
Aber hinter diesem großen Event denke ich auch an die vielen kleinen normalen Ereignisse unseres Gemeindelebens. Auch dies sind viele schöne Erinnerungen. Ich denke an Gottesdienste zu Ehejubiläen, Feiern zur Goldenen Konfirmation, gute Gesprächsrunden, musikalisch reichhaltige Gottesdienste, Andachten bei Vitalis und vieles mehr. Hier ließen sich wirklich viele Dinge benennen.
Redaktion BiWa:
Was berührte Ihr Herz am meisten?
Pastor Volker Harms:
Leider bleibt es nicht aus, dass ich in meiner Rolle als Pastor auch mit bittereren und sehr traurigen Ereignissen konfrontiert werde. Zum Glück kommt es nicht oft vor, aber es bleibt leider auch nicht aus, dass wir schlimme Schicksalsschläge begleiten müssen. Wenn Menschen durch einen Unfall in einem Augenblick aus dem Leben gerissen werden. Oder wenn junge Menschen durch brutale, grausame Straftaten ums Leben gebracht werden. Oder wenn ich den Abschied von mir besonders nahestehenden Menschen gestalte. Stets wenn ich als Pastor solche Dinge begleiten muss, dann greift mich das sehr an. Mich erfasst dann selbst eine Trauer, die mich lähmt.
Allerdings ist das Schreiben der Beerdigungsansprache für mich hilfreich, um diese Trauer anzugehen. Und die Trauerfeier selber ist für mich dann auch ein Weg, der mir hilft, meine Trauer zu überwinden. Vielleicht hört sich das merkwürdig an. Aber tatsächlich ist es sehr hilfreich, schwere Wege bewusst zu gehen. Und das tue ich, indem ich eine Trauerfeier vorbereite und die Andacht halte.
Redaktion BiWa:
Was machte besonders Freude?
Pastor Volker Harms:
Wenn ich auf mein Berufsleben zurückschaue, dann weiß ich, dass ich sehr glücklich bin, auf diesen Weg geführt worden zu sein. Als Pastoren arbeiten wir zusammen mit den Menschen in der Gemeinde. Wir tauschen uns aus über das, was uns im innersten bewegt. Wir suchen die gemeinsame Hoffnung, wir sprechen über unsere Ängste und Sorgen, und wir suchen nach dem, was uns Trost und Halt im Leben gibt. Wo diese Seiten in meiner Arbeit zum Tragen kommen, macht es mir besondere Freude. Und schön war es auch, oft spüren zu dürfen, wie man als Pastor durch die Gemeindeglieder vertrauensvoll angenommen wird. Diese Erfahrung hat mich in der Arbeit immer wieder sehr gestärkt.
Redaktion BiWa:
Was fiel am schwersten?
Pastor Volker Harms:
Alle Überlegungen rund um die Haushaltsplanung für unsere Kirchengemeinde empfand ich als äußerst schwierig. Mir fehlt jegliches kaufmännisches Geschick. Aus diesem Grunde habe ich mich im Kirchengemeinderat bei Haushaltsfragen gerne auf andere Mitglieder und ihre Meinungen verlassen. Verschlimmernd kam hinzu, dass in den letzten Jahren unser Haushalt in einer ganz neuen Weise aufgestellt wurde. Aus kaufmännischer Sicht erscheint mir das durchaus angemessen und richtig zu sein. Aber ich habe erhebliche Schwierigkeiten gehabt, diese neue Systematik zu verstehen. Ich bin sehr froh, dass ich diesem Aufgabenbereich nun unumkehrbar enthoben bin.
Redaktion BiWa:
Bleiben Sie Lütjenburg privat treu?
Pastor Volker Harms:
In meinem Ruhestand werde ich eine kleine Wohnung in Kiel beziehen. Aber Lütjenburg und unsere Region lassen mich nicht los. Darum ist es schön, dass ich auch ein Ferienhaus in Hohenfelde habe, welches ich gerne und reichlich nutzen werde.
Redaktion BiWa:
Bringen Sie sich weiter mit in der hiesigen Kirchengemeinde ein?
Pastor Volker Harms:
Ja, einige kleinere Projekte werde ich weitermachen. Den Michaeliskreis, die Andachten bei Vitalis und den Dienst als Gildepastor will ich fortsetzen. Außerdem freue ich mich schon darauf, im Posaunenchor in Giekau zu musizieren.
Redaktion BiWa:
Wohin geht Ihre persönliche Reise?
Pastor Volker Harms:
Das Bild der Reise ist ein passendes Bild. Denn in der Tat möchte ich mir Zeit nehmen, für die eine oder andere Reise, alleine oder mit Freunden. Dabei denke ich an Fahrradtouren, Wanderungen oder auch Städtetouren in Deutschland oder Europa. Und ich freue mich natürlich auch darauf, Zeit zu haben, um Freunde und Familie zu besuchen. Es gibt auch so viele verlockende kulturelle Angebote, sowohl hier bei uns in der Region, als auch in Kiel. Im Ferienhaus in Hohenfelde hat sich in Haus und Garten auch einige Arbeit angestaut. Und natürlich will ich auch noch die letzte Zeit mit meinem Hund (eine betagte Dame von beinahe vierzehneinhalb Jahren) fröhlich zubringen. Sie braucht noch täglich ihre (sehr) kurzen Spaziergänge.
Redaktion BiWa:
Welches Gefühl bewegt Sie, wenn Sie an das Austreten aus dem Pastorenamt und an Ihre persönliche Zukunft denken?
Pastor Volker Harms:
Ich freue mich sehr, dass ich nun mehr Zeit habe, private und familiäre Kontakte stärker zu pflegen. Solche Besuche finden nicht mehr nebenbei statt, sondern man kann sich mehr Zeit nehmen für diese vielfältigen Beziehungen. Noch ist der Gedanke für mich unvorstellbar, ein Leben mit einer weitgehenden Reduktion der Pflichten zu haben. Aber ich freue mich darauf. Denn ich weiß diese Zeit in vielfältiger Weise sinnvoll auszufüllen.
Pastor Volker Harms Worte zum Abschied:
Wenn ich heute zurückschaue, so bin ich froh, mich für den Beruf des Pastors entschieden zu haben. Und ich bin dankbar, dass ich nach Lütjenburg und in diese Kirchengemeinde geführt wurde. Ich denke wirklich, ich hätte es im Leben nicht besser treffen können.
Text: © Pastor Volker Harms, Petra Gramkow Binnenland & Waterkant / Agentur inpuncto Werbung, Fotos: © Heinrich Ripke