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Anno dazumal

Der Bismarckturm in Lütjenburg

© Stadt Lütjenburg / Arbeitskreis Stadtarchiv. Kopieren/Teilen nicht gestattet.
Die Fotos zeigen sich beim Anklicken vergrößert.

(Ersterscheinung hein´s magazin August/September 2015)

Der Bismarckturm auf dem Vogelberg ist ein Wahrzeichen der Stadt Lütjenburg, vielleicht sogar das Wahrzeichen. Er ist – errichtet auf der höchsten Stelle des 60 Meter hohen Berges – ein aus Granit und Backsteinen aufgeführter 18,5 m hoher Turm, der am 2. September 1898 eingeweiht wurde. Er wurde als Aussichtsturm mit kleiner angebauter Gastwirtschaft errichtet und erhielt erst im Frühjahr 1900 offiziell die Bezeichnung „Bismarckturm“. Die Widmung dieses Wahrzeichens galt dem Reichskanzler Otto von Bismarck, der durch seine Politik die deutsche Kleinstaaterei beendete und damit die Gründung des Deutschen Reiches 1870/71 ermöglichte. Zunächst als preußischer Ministerpräsident und dann ab 1867 als Bundeskanzler des Norddeutschen Bundes legte er den Grundstein für die drei deutschen Einigungskriege und bereitete durch diese „Revolution von oben“ den Weg vor für einen deutschen Nationalstaat im Herzen Europas.

Wie wir einer neuen Darstellung entnehmen können, gab es im Jahre 2014 – über alle Bundesländer der heutigen Bundesrepublik verteilt – insgesamt noch 184 Bismarcktürme; davon sind 146 erhalten und davon haben 119 eine Aussichtsfunktion (vgl. Jörg Bielefeld/ Alfred Büllesbach: „Bismarcktürme – Architektur, Geschichte, Landschaftserlebnis“, Verlag Morisel, o. J.). Die meisten Bismarcktürme werden heute also als Aussichtstürme genutzt und stehen – oft weithin sichtbar – als „Landmarken“ zwischen Ostsee und Alpen sowie Saarland und Oder. Von den Türmen, die damals in den Provinzen Ostpreußen, Pommern und Schlesien sowie in Übersee errichtet wurden, sind viele verschwunden; doch sind auch dort noch 27 vorhanden (vgl. J. Bielefeld, a. a. O. S. 175). Sogar in Daressalam im damaligen Deutsch – Ostafrika wurde ein Bismarckturm errichtet (vgl. Fr. Stender, JbfHk, 1988; S. 36) und der Bismarckturm in der ehemaligen deutschen Kolonie Kamerun (erbaut 1901) ist noch heute erhalten. Er wurde zu einem Leuchtturm umgebaut und war dort bis 1965 in Funktion.

Bismarcktürme waren Ausdruck eines Personenkultes am Ende des 19. Jahrhunderts, „welcher in der deutschen Geschichte einmalig ist. Nicht auf Anordnung des Staates oder einer Partei wurden nach dem Tode Otto von Bismarcks zu seinen Ehren Monumente und Denkmäler errichtet, sondern aufgrund der Initiative von Bürgern“ (vgl. J. Bielefeld, a. a. O., S. 5).

So war es auch in Lütjenburg. Am 16. März 1887 beschloß die Generalversammlung des hiesigen Bürger- und Verschönerungsvereins unter Vorsitz von Senator Schneider (vgl. Fr. Stender, a. a. O.; S. 33), zur Hebung des Fremdenverkehrs einen Aussichtsturm auf dem Vogelberg zu errichten. „Zimmermeister Griebel (vgl. HEIN’S – Magazin Nr. 50 / Okt. 2014; Nr. 51 / Nov. 2014) und Maurermeister Lucca (vgl. HEIN’S – Magazin, Nr. 26 / Okt. 2012; Nr. 27 / Nov. 2012) wurden beauftragt, einen Kostenvoranschlag aufzustellen. Zur Finanzierung des Vorhabens sollten Anteilscheine zu je 10 Mark ausgegeben werden, und schon am selben Abend erwarben die Anwesenden 221 Stück. … Lehrer Friedrich Speck (Oberknabenlehrer und Kantor in Lütjenburg, wohnhaft in der Oberstraße Nr. 21; nach ihm wurde in Lütjenburg eine Straße benannt), der das Protokoll dieser Sitzung unterschrieb, erwarb 5 Anteile. … In der Sitzung des Bürgervereins vom 4. 10. 1897 wurde der Hamburger Architekt H. Grothoff … aufgefordert, eine Zeichnung in einfacher Form mit einem entsprechenden Kostenanschlag zu fertigen. Die Wünsche des Vereins waren außerdem ein breiterer Umgang auf der Plattform und neben dem zur Seeseite ein Balkon an der Stadtseite. Um das Baugeld zusammen zu bringen, gingen die Vorstandsmitglieder des Bürgervereins von Haus zu Haus und verkauften weitere Anteilscheine. In verhältnismäßig kurzer Zeit hatte man so viel Geld zusammengebracht, dass mit dem Bau begonnen werden konnte“.

Aus den weiteren Sitzungsprotokollen des Bürgervereins erfahren wir, dass am 5. August 1898 die am Turm errichtete Gastwirtschaft für 750.- Mark im Jahr verpachtet und das Eintrittsgeld für die Besteigung des Turmes auf 10 Pfennige festgesetzt wurde. Vermutlich ist der Bau zu diesem Zeitpunkt fertig gewesen. Er kostete 13.520.- Mark…. Am 26. Mai 1903 beantragten die Aktionäre des Bismarckturms die Übernahme des Gebäudes durch die Stadt… Die Stadtverwaltung nahm den Antrag an … Erst im Frühjahr 1900 erhielt der Aussichtsturm offiziell die Bezeichnung „Bismarckturm“ (vgl. Fr. Stender, a. a. O., S. 33).

Die „Welle der Verehrung“ für den Reichskanzler Otto von Bismarck war nach dessen Tod am 30. Juli 1889 auch in Lütjenburg so groß, dass die Mitgliederversammlung des Bürger- und Verschönerungsvereins am 18. Mai 1900 beschloss, am Ausgang der Plattform die Bezeichnung „Bismarckturm“ mit „eisernen Lettern“ anzubringen. So war Lütjenburg eine der ersten Städte, „die sich eines Bismarckturmes rühmen konnte“ (vgl. Fr. Stender, a. a. O., S. 34). Auch sorgte die gärtnerisch vielseitige Gestaltung des Vogelbergs dafür, dass sich der Bismarckturm zu einem von Einwohnern und Gästen gern genutzten Ausflugsziel entwickelte. Und die Stadt hatte durch den Turm eine großartige städtebauliche Silhouette erhalten.

Sehr verdienstvoll war es, dass sich Dipl. Ing. Friedrich Stender (1911–2001) ausgiebig mit der Errichtung des Lütjenburger Bismarckturms beschäftigt hat und auch auf die interessante Architekturgeschichte der unzähligen Bismarcktürme eingegangen ist. Denn es ist viel zu wenig bekannt, dass sich auch spätere „Größen der Architektur“ wie z. B. Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe an Bismarckturmwettbewerben beteiligten (vgl. Fr. Stender, a. a. O., S. 34 ff).

Welche Bedeutung die Errichtung der Bismarcktürme im damaligen Deutschen Reich hatte, zeigt die große landesweite Beteiligung an diesen Wettbewerben. So gingen z. B. für die Ausschreibung der Stadt Bochum im Jahre 1908 insgesamt 534 Entwürfe von 513 Architekten ein; darunter war auch die Arbeit von Architekt Heinrich Speck aus Lütjenburg (vgl. Fr. Stender, a.a.O., S. 36). Heinrich Speck studierte damals, 1889, an der TH Charlottenburg Architektur. Von einer Postkarte wissen wir, dass seine Schulfreunde Friedrich Klopp und Anton Davids ihn zu Weihnachten in Lütjenburg erwarteten (Fr. Stender, a. a. O., S. 41, Anm.1).

Regierungsbaudirektor Friedrich Stender hat viele Jahre als Leiter des Kreisbauamtes die bauliche Entwicklung im Kreis Plön wesentlich mitgestaltet und war ein ausgezeichneter Kenner der historischen Sehenswürdigkeiten in unserer Region. So konnte es nicht ausbleiben, dass er sich intensiv mit der Baugeschichte dieses Bauwerkes beschäftigte.

„Über 80 % der Bismarcktürme wurden als Aussichtstürme konzipiert und stehen an exponierten Stellen in der Landschaft. Wo immer sie für die Öffentlichkeit zugänglich sind, bieten sie auch heute noch eine grandiose Aussicht und ein beeindruckendes Landschaftserlebnis“ (vgl. Jörg Bielefeld, a. a. O., S. 6).

Um den Bismarckturm herum entwickelte sich im Laufe der Jahre aus der zunächst nur etwa 20 m² großen Gaststube ein ansehnliches Wirtshaus. Die Erweiterung der Gaststätte in den Jahren 1913, 1930 und ab 1947 hat Friedrich Stender in einem Grundriss aufgezeichnet. „Mit dem großen Hotelbau „Ostseeblick“ büßte dann der Vogelberg ganz seinen ursprünglichen Charakter als grüner Hügel über der Stadt ein“ (vgl. Fr. Stender, a. a. O., S. 40). Zur jetzigen Größe wurde die Gaststätte erst im Jahre 1964 ausgebaut.

Wer waren aber nun die Menschen, die oben im Restaurant „Bismarckturm“ die Gäste betreuten, für sie kochten und sie bewirteten? Wer waren die Gastronomen? Ab 1910 konnte man dort ein helles Bier aus der Ostholsteinischen Brauerei von DH Boll genießen, so steht es jedenfalls in der „Lütjenburger Zeitung“ von P. Chr. Groth. Vor und nach dem I. Weltkrieg wurde der „Bismarckturm“ von verschiedenen Gastwirten aus Lütjenburg bewirtschaftet: Hamm, H. Matthiessen, Fritz Wegner. Vom Besitzer des Lütjenburger Gasthofes „Hamm“ am Markt 7 (heute: „Sporthaus Gehrmann“) besitzen wir eine Werbeanzeige vom Beginn der 1900er Jahre. Der Text lautet: „Raststätte und Nachtstation: Gut eingerichtete Logier - Zimmer: à Person 1.50 Reichsmark incl. Kaffee“ (vgl. Stadtarchiv, Inv. Nr. 1.5.1.1., Bild 2). Ja, das waren die Übernachtungspreise in Lütjenburg zur Kaiserzeit!

Auch wenn die anderen Gastwirte in Lütjenburg im Restaurant „Bismarckturm“ eine „existenzgefährdende Konkurrenz“ sahen, entschloss sich Gastwirt Heinrich Riemschneider im Jahre 1930 doch, den Umbau der Gastwirtschaft selbst durchzuführen. Dafür erhielt er von Seiten der Stadt den Bismarckturm 30 Jahre pachtfrei. Er baute einen Gastraum für ca. 100 Personen mit großen Fenstern zum Südhang mit herrlichem Ostseeblick. Sehr beliebt waren die „5–Uhr–Tanz–Tee–Nachmittage“, die Heinrich Riemenschneider durchführte (vgl. Klaus–Dieter Dehn: „Lütjenburger Kurier“ vom 4.5. 2000).

Wie an anderer Stelle schon berichtet, wurde in den Räumen des „Bismarckturms“ im II. Weltkrieg eine Produktionsstätte der Nautischen Werke Kiel eingerichtet, in der Ferngläser hergestellt wurden (vgl. „Geschichte der Stadt Lütjenburg“, Bd. II, S. 221f). „Als die Nautischen Werke nach dem Krieg wieder ausgezogen waren, wurden die Räume auf verschiedene Weise genutzt. Eine Theatergruppe hatte sich dort etabliert (vgl. „Geschichte der Stadt Lütjenburg“, Bd. III, S. 45f), die Gewerbeschule war eine Zeit lang in dem Raum. Zum Kindervogelschießen 1949 hatte der Wirt vom „Kaisersaal“ die Konzession für einen Tag und konnte dort Kaffee und Kuchen verkaufen. Dann aber hat Heinrich Riemenschneider den Bismarckturm wieder gepachtet, und sein Sohn hat bis 1951 die Bewirtung innegehabt“ (vgl. K.-D. Dehn:“ Auf den Spuren der Gastronomie in und um Lütjenburg“, S. 55f; Vgl. „Geschichte der Stadt Lütjenburg“, Bd. III, S. 24 ff).

Als nächste Pächter verpflichtete die Stadt die Eheleute Sankowski. Im Jahre 1964 erfolgte dann der große Ausbau des Restaurants. Die Stadtverordneten hatten sich entschlossen, den „Bismarckturm“ zu einer der Zeit entsprechenden modernen Gaststätte auszubauen. Die Küche wurde vergrößert und mit modernen Geräten ausgestattet; der Gastraum auf 220 Sitzplätze erweitert. Mit dem gelernten Gastronomen Nico Johannsen aus Kiel wurde ein neuer Pächter gefunden, dem es in kurzer Zeit gelang, den „Bismarckturm“ zu einem der schönsten Anziehungspunkte in Ostholstein zu machen. Erstklassiges Essen, gute Getränke und dazu ein guter Service verhalfen dem erfahrenen Gastwirt dazu, in den Jahren 1971 und 1978 als „schönstes Restaurant“ im Kreis Plön ausgezeichnet zu werden. Ein Stammtisch gestandener Männer aus Politik und Wirtschaft fand sich hier regelmäßig zusammen! Auch die Börse, die Lions und die Pommern waren hier Stammgäste. Die Breitensteiner, mit denen die Stadt Lütjenburg seit 1953 eine Patenschaft begründet hatte, hielten hier regelmäßig ihre Heimatkreistreffen ab. Es gab sogar Filmaufnahmen; und auch die Prominenz der Landesregierung hat hier öfter getagt. Unvergessen für die Wirtsleute war jedoch der Besuch der deutschen Fußball – Nationalmannschaft mit ihrem damaligen Bundestrainer Helmut Schön im Jahre 1966. Die Fußballspieler waren aus ihrem Trainingslager von Malente nach Lütjenburg herüber gekommen, um sich auf dem Vogelberg zu entspannen. Die Spieler gaben hier und da Autogramme.

Eine besonders nette Begebenheit ist uns durch den Hohwachter Gastronom Klaus – Dieter Dehn überliefert. „Auch Frau Kohlmorgen, besser bekannt als Nanci – sie war beim Hacken und Harken – bekam ein Autogramm von Uwe Seeler. Als sie seine Unterschrift sah, sagte sie zu ihm: ‘Footballspeeln kannst Du woll, aber Schriewen muß Du noch leern!“

Im Jahre 1976 sahen sich die Stadtväter gezwungen, eine grundlegende Bausanierung vorzunehmen, um den vom Zahn der Zeit angenagten Turm der Nachwelt zu erhalten. Das städtische Wahrzeichen erhielt ein Korsett aus Stahlringen, um ein Auseinanderbrechen des Turmes zu verhindern. Als nun im November 1999 der Pachtvertrag mit der Familie Johannsen auslief und das Restaurant seine Pforten schloß, überlegten Lütjenburgs Stadtväter lange, was in Zukunft mit ihrem Wahrzeichen passieren sollte. So war es damals ein Glücksfall für die Stadt, dass mit dem Ehepaar Anke und Christian Boll nicht nur Pächter gefunden waren, sondern Käufer. Die Eheleute Boll waren bereit, in das Unternehmen „Bismarckturm“ zu investieren. Mit viel Engagement wurde ein neues attraktives Ambiente geschaffen.

Und heute? Auch heute ist der Turm noch im Besitz der Stadt, die deshalb auch für die Unterhaltung dieses Bauwerkes zuständig ist. Für das kommende Jahr sind wieder Bausanierungen geplant. Heute kostet der Eintritt nicht mehr 10 Reichspfennige, sondern 1.- € für Erwachsene. Doch wird der Besucher belohnt, denn bei klarer Sicht reicht der Blick bis Fehmarn und zu den dänischen Inseln

Dr. Sigurd Zillmann

Verantwortlich für den Inhalt:
Arbeitskreis Stadtarchiv Lütjenburg Wer weitere Hinweise geben oder Fotobelege beisteuern kann, melde sich bitte im Stadtarchiv (Dr. Sigurd Zillmann, Tel. 04381/7319)

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